/ 22.06.2013
imagine economy
BEIGEWUM – Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (Hrsg.)
imagine economy. Neoliberale Metaphern im wirtschaftspolitischen Diskurs
Wien: Löcker Verlag 2012 (Arts & Culture & Education 7); 157 S.; brosch., 14,80 €; ISBN 978-3-85409-614-6Das Buch bietet politische Aufklärung im besten Sinne des Wortes, denn es präsentiert politische Alternativen zum hegemonial gewordenen neoliberalen Denken der Gegenwart, das einem „Gesellschaftsmodell dient, das die Reduktion staatlicher Handlungsfähigkeit will" (133). Anstelle des berüchtigten TINA-Theorems, wonach – frei nach Margaret Thatcher – ökonomische Imperative naturnotwendig die Gestaltungsbefähigung der Politik beschneiden, führen die Aufsätze des Bandes die diskurs...
BEIGEWUM – Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (Hrsg.)
imagine economy. Neoliberale Metaphern im wirtschaftspolitischen Diskurs
Wien: Löcker Verlag 2012 (Arts & Culture & Education 7); 157 S.; brosch., 14,80 €; ISBN 978-3-85409-614-6Das Buch bietet politische Aufklärung im besten Sinne des Wortes, denn es präsentiert politische Alternativen zum hegemonial gewordenen neoliberalen Denken der Gegenwart, das einem „Gesellschaftsmodell dient, das die Reduktion staatlicher Handlungsfähigkeit will" (133). Anstelle des berüchtigten TINA-Theorems, wonach – frei nach Margaret Thatcher – ökonomische Imperative naturnotwendig die Gestaltungsbefähigung der Politik beschneiden, führen die Aufsätze des Bandes die diskursiven Grenzen dieser Imperative vor. Indem ökonomische Metaphern mit politischem Geltungsanspruch – man denke etwa an Begriffe wie freier Markt, Rettungsschirm, schlanker Staat oder soziale Hängematte – als bewusst gesetzte diskursive Elemente analysiert werden, die gerade auch angesichts der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise dazu dienen „Angst zu erzeugen“ (9), wird deren eigentümliche Brisanz erkennbar. Politische Label oder Metaphern sind einerseits Werkzeuge zur diskursiven und also interessengeleiteten Erschließung von Realität, sie sind – auch wenn sie vielfach den gegenteiligen Anschein erwecken – jedoch immer auch tendenziell, unvollständig und parteiisch, also kontingent: „Metaphern veranschaulichen also nicht nur unsere Gedanken, sondern strukturieren unsere Wahrnehmung, unser Verstehen und unsere Handlungen." (11) Wenn dem so ist, dann gilt das TINA-Theorem nur solange, wie wir bereit sind, es zu akzeptieren. Die gesellschaftliche Dynamik des Politischen ist offen für Alternativen, indes bedürfen diese genauso der Etablierung und Durchsetzung wie die gegenwärtigen, die neoliberale Hegemonie stützenden Imperative. Bleiben alternative Ideen aus – die der Band selbst im Übrigen nur in Ansätzen liefert, was aber kein Manko ist –, dann wird die neoliberale Ideologie, wie sie jüngst etwa Gerhard Wegner in „Ökonomischer Liberalismus als politische Theorie“ (siehe Buch-Nr. 41946) rekonstruiert hat, eine nicht zu unterschätzende „Zukunftsbremse“ (111). Ein Manko hat der Band dann doch: Die zahlreichen Karikaturen erreichen nur selten das Niveau der schriftlichen Kurzbeiträge, von denen man sich eindeutig mehr wünscht.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.24 | 2.262
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: BEIGEWUM – Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (Hrsg.): imagine economy. Wien: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35016-imagine-economy_42132, veröffentlicht am 12.04.2012.
Buch-Nr.: 42132
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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